Aktien & Einzelwerte

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Wenn ich noch einmal bei Null an der Börse starten würde

Um die Frage zu beantworten, wie ich überhaupt an die Börse gekommen bin, müssen wir ins Jahr 2008/2009 blicken. Während der globalen Finanzkrise dachte ich mir damals: Es kann doch nicht sein, dass Menschen ab jetzt keine Kleidung oder Alltagsgüter mehr kaufen. Ich wollte unbedingt Adidas-Aktien erwerben, aber als Schüler fehlte mir schlichtweg das Geld. Danach schlief das Thema Börse bei mir erst einmal wieder ein. Während des Studiums lag mein Fokus voll und ganz darauf, gute Noten zu schreiben und anschließend Karriere zu machen.

Im Jahr 2013 – ich hatte gerade meine Bachelorarbeit abgegeben – änderte eine schwere Erkrankung meine Perspektive schlagartig. Mir wurde bewusst, wie schnell das Leben vorbei sein kann, und ich begann, meinen bisherigen Weg zu hinterfragen. Ich kam zu dem Schluss, dass ich eine alternative Geldquelle zur klassischen Arbeit (Geld gegen Zeit) benötige. Ich suchte nach einer Möglichkeit, ohne täglichen aktiven Arbeitsaufwand Einkommen aufzubauen. Das sollte mir die Sicherheit geben, dass meine Familie versorgt ist und Rechnungen bezahlt werden können, falls mir etwas zustößt oder ich nicht mehr arbeiten kann. Dieser Hintergrund ist mir wichtig, um verständlich zu machen, was mich antreibt. Denn bei Investitionen über viele Jahre hinweg verliert man ohne ein starkes „Warum“ schnell die Motivation.

"Der Markt kann länger irrational bleiben, als Sie flüssig bleiben können. Diversifikation ist der einzige kostenlose Mittagstisch an der Börse."

Der Start 2013

Ende 2013 kaufte ich schließlich meine ersten Aktien für 1.000 € über die damalige DAB Bank (die Gebühren lagen damals bei etwa 8 € pro Order). Wie so viele Anfänger dachte ich, ich könnte den Markt schlagen, und kaufte sowie verkaufte fleißig Einzelwerte. Später wurde ich auf Optionsscheine aufmerksam und tradete regelmäßig DAX-Optionsscheine – bis ich gegen Ende des Studiums alles liquidierte, da ich das Geld für ein Auto und den Umzug benötigte.

Erst nach dem Einstieg ins Berufsleben und dem Aufbau eines Notgroschens startete ich erneut, diesmal mit einer disziplinierten Buy-and-Hold-Strategie auf Einzelaktien. Ende 2020 kamen zwei ETF-Sparpläne hinzu, und seit 2025 fließt mein frisches Kapital vorrangig in diese Sparpläne statt in weitere Einzelaktien.

Diagramm zur weltweiten Streuung eines Welt-ETFs

Abbildung 1: Ein Welt-ETF deckt verschiedene Regionen und Branchen ab, um Einzelwertrisiken zu minimieren.

Mein Vorgehen bei einem Neustart

Wenn ich heute noch einmal bei Null anfangen müsste, würde ich direkt mit zwei globalen ETFs starten und diese per automatischem Sparplan besparen. Das ist heutzutage extrem einfach aufzusetzen und bildet das perfekte Fundament. Erst danach würde ich mich schrittweise mit Einzelaktien beschäftigen, da diese den Mehrwert bieten, Unternehmen, Geschäftsberichte und Finanzkennzahlen tiefgehender zu verstehen.

Klassische Optionsscheine spielen für mich als Buy-and-Hold-Investor keine Rolle mehr – stattdessen nutze ich echte Optionen gezielt als Cashflow-Quelle. Meine Reihenfolge bei einem Neustart wäre daher klar definiert:

Welt-ETFs → Einzelaktien → Optionen

Mit Welt-ETFs gelingt der Einstieg ohne den Druck des gezielten Aktien-Pickings („Stock-Picking“). Von dort aus kann man sein Wissen nach Wunsch auf Einzelwerte ausweiten oder es schlichtweg bei den ETF-Sparplänen belassen, um den Bereich Kapitalmarkt entspannt abzudecken.